23.02.2026 - Ausflug zum berühmten "Morgestraich"
Der Morgestraich ist der traditionelle Auftakt der Basler Fasnacht und gilt als eines der eindrucksvollsten Fasnachtsereignisse der Schweiz.
Geschichte
Die Wurzeln der Basler Fasnacht reichen ins Mittelalter zurück. Bereits im 14. und 15. Jahrhundert sind fasnachtsähnliche Bräuche in Basel dokumentiert. Damals waren solche Feste oft mit
kirchlichen Kalenderdaten verbunden und markierten die Zeit vor der Fastenperiode.
Zeitpunkt
Er beginnt am Montag nach Aschermittwoch punkt 4:00 Uhr morgens und eröffnet die „drey scheenschte Dääg“ (die drei schönsten Tage) der Basler Fasnacht.
Ablauf
Um exakt 4 Uhr werden in der Basler Innenstadt alle Lichter gelöscht. Auf Kommando „Morgestraich – vorwärts, marsch!“ setzen sich die sogenannten Cliquen (Fasnachtsgruppen) in Bewegung.Sie ziehen
mit kunstvoll bemalten, von innen beleuchteten Laternen durch die dunklen Gassen. Begleitet wird der Umzug ausschließlich von Piccolos (kleine Querflöten) und Trommeln – es gibt keine anderen
Instrumente.
Besonderheiten
Die Laternen zeigen oft politische oder gesellschaftskritische Motive. Zuschauer stehen dicht gedrängt in den dunklen Straßen – Blitzlicht und Taschenlampen sind unerwünscht. Die Stimmung ist
gleichzeitig feierlich, mystisch und kraftvoll.
Bedeutung
Der Morgestraich symbolisiert den Beginn einer einzigartigen, stark lokal verwurzelten Tradition. Die Basler Fasnacht ist seit 2017 sogar UNESCO-Weltkulturerbe (immaterielles Kulturerbe).
Vor genau acht Jahren war ich zum ersten Mal bei diesem besonderen Ereignis in Basel. Eigentlich interessiert mich die Fasnachtszeit sonst kaum. Doch die vielen Beschreibungen und Erzählungen über die einzigartige Atmosphäre des „Morgestraich“ hatten mich damals neugierig gemacht.
Vor ein paar Wochen fragte mich ein befreundetes Ehepaar, ob ich dieses Jahr wieder mitkommen möchte. Spontan sagte ich zu.
Wir treffen uns kurz nach Mitternacht am Zürcher Hauptbahnhof und nehmen den Zug nach Basel, wo wir um 01:15 Uhr ankommen. Vom Bahnhof aus gehen wir rund zwanzig Minuten zu Fuß zum Marktplatz – einem der zentralen Schauplätze des Morgestraichs. Um zwei Uhr morgens wirkt die Stadt wie ausgestorben. Es liegt eine gespannte Ruhe über allem, als würde Basel tief Luft holen vor dem großen Moment.
Wir schlendern durch die dunklen Gassen der Altstadt und entdecken bereits erste Fotomotive. Gegen 03:30 Uhr füllen sich die Straßen zunehmend mit verkleideten Fasnächtlern und erwartungsvollen Besuchern. Die Spannung steigt spürbar. Wir positionieren uns auf einem kleinen Platz und warten auf den Beginn.
Inzwischen sind die Straßen dicht gedrängt. Kaum ein Durchkommen. Punkt 04:00 Uhr geschieht es: Sämtliche Lichter der Innenstadt erlöschen. Für einen kurzen Augenblick herrscht völlige Dunkelheit. Dann leuchten sie auf – die kunstvoll bemalten Laternen der Fasnachtscliquen. Mit dem Ruf „Morgestraich – vorwärts, marsch!“ setzt schlagartig die ohrenbetäubende Musik ein. Piccolos und Trommeln erfüllen die Nacht, und die verschiedenen Cliquen ziehen durch die Altstadt. Menschenmengen folgen ihnen, es entsteht ein stetiger Strom aus Bewegung, Klang und Licht – eine regelrechte Massenwanderung durch die engen Gassen Basels.
Fotografisch ist die Situation eine Herausforderung. Die Dunkelheit, durchbrochen nur vom warmen Schein der Laternen, verlangt nach lichtstarken Objektiven. Ich entscheide mich für zwei Festbrennweiten: das Fujifilm XF 50mm f/1.0 und das Fujifilm XF 16mm f/1.4. Trotzdem werden zeitweise ISO Einstellungen von 12800 notwendig ... Zunächst bleiben wir an unserem Standort und fotografieren die vorbeiziehenden Gruppen. Später schließen wir uns einer Clique an und wechseln zu einem anderen Platz in der Altstadt.
Es fasziniert mich, wie Jung und Alt – sowohl bei den Aktiven als auch bei den Besuchern – dieses traditionelle Ereignis gemeinsam erleben und genießen. Die Begeisterung ist überall spürbar.
Meine Smartwatch warnt mich wiederholt vor einer Lautstärke von über 95 Dezibel. Viele Besucher tragen Ohrstöpsel. Nach fast vier Stunden intensivem Fotografieren, mitten im Gedränge und in dieser gewaltigen Geräuschkulisse, merke ich, wie meine Kräfte nachlassen. Obwohl der Anlass noch lange nicht vorbei ist und die blaue Stunde sicher weitere eindrucksvolle Bilder versprechen würde, entscheide ich mich für den Rückzug.
Ich gehe zurück zum Bahnhof. Wenig später bringt mich der Schnellzug nach Zürich, und von dort die S-Bahn nach Hause – erfüllt von Eindrücken einer Nacht, die laut, dunkel und zugleich voller leuchtender Momente war.
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